Nach Informationen der NZZ und des Tages-Anzeiger raten die Bergführer aus Zermatt derzeit von einer Besteigung des beliebten Matterhorns ab. Infolge der anhaltenden hohen Temperaturen und der geringen Schneemengen aus dem vergangenen Winter sei der Berg weitgehend schneefrei. Da die schützende Schnee- und Eisschicht, insbesondere am Gipfelgrat, fehlt, steigt die Gefahr von Steinschlägen erheblich. In den vergangenen Tagen wurden bereits mehrere Seilschaften von herabfallenden Steinen getroffen, zudem musste ein Bergführer mit einem Helikopter geborgen werden. Die örtlichen Bergführer bieten derzeit nur vereinzelt Touren mit Privatgästen an, deren Fähigkeiten sie gut einschätzen können.
Nach Einschätzung von Edith Lehner, Hüttenwartin der Hörnlihütte, trägt auch die wachsende Bedeutung sozialer Medien zu der Entwicklung bei. Im sogenannten Instagram-Zeitalter wagten sich zunehmend unerfahrene Alpinistinnen und Alpinisten an den Berg und lösten durch Fehler beim Klettern am Seil immer wieder Steinschläge aus.
Anjan Truffer, Rettungschef der Air Zermatt, im BLICK: "Wenn unerfahrene Alpinisten ein zu langes Seil führen, was nicht selten passiert, touchiert es das Gestein und bringt es in Bewegung." Eine hausgemachte Gefahr für diejenigen, die sich unterhalb der Aufstiegsroute befinden.
Normalerweise ist das Gipfeldach des 4.478 Meter hohen Matterhorns auch im Sommer mit Schnee bedeckt, das lose Gestein bleibt in der Regel unberührt. Nicht so in diesem Sommer: Die Bergsteiger laufen unterschiedliche Wege zum Gipfel, weil es die Schneespur nicht gibt. Und so steigt die Gefahr von Steinschlag.
Truffer wie auch Lehner gehen davon aus, dass die optimale Besteigungszeit für das Matterhorn in Zukunft eher in den Randsaisonen sein wird. Durch die extremen Temperaturen – in den Alpen liegt die Nullgradgrenze seit Wochen meist oberhalb von 4000 Metern – dürfte sich das Zeitfenster für eine Besteigung vom Hochsommer mehr auf die Monate Juni und September verlagern.
Erst am Sonntagmorgen sind zwei Menschen am Matterhorn tödlich verunglückt. Wie die Kantonspolizei Wallis mitteilte, stürzte die Seilschaft im Abstieg vom Gipfel über den Hörnligrat ab. Beide konnten nur noch tot geborgen werden. Woher die Opfer stammen und warum genau sie abstürzten, wird derzeit noch untersucht.