Für passionierte Autofahrer sind die Alpen mehr als ein Gebirge. Die Serpentinen zum Großglockner und die dramatischen Kurven des Stilfser Jochs zeigen, dass es sich hier um die Königsdisziplin der Fernreisen handelt. Allerdings fordert das Terrain Mensch und Maschine auch anders heraus als das ebene Flachland. Dünne Luft, glühende Bremsen und unvorhersehbares Wetter verlangen eine Vorbereitung, die über das einfache Volltanken hinausgeht.
Bevor die erste Kehre in Sicht kommt, muss das Auto auf die Reise vorbereitet werden. Denn in den Bergen ist die Fahrzeugtechnik enormem Stress ausgesetzt, wodurch sich unscheinbare Kleinigkeiten schnell zu echten Problemen entwickeln können. Gerade bei den Bremsen kann das verheerende Folgen haben, denn wenn die Bremsflüssigkeit veraltet ist und bei starker Hitzeentwicklung Dampfblasen bildet, kann das im schlimmsten Fall sogar zu einem Totalausfall führen. Auf einer einsamen Landstraße wäre das eine Herausforderung, die man mit dem entsprechenden Feingefühl meistern kann, doch die extremen Straßensteigungen und -neigungen der Alpen verzeihen keinen Bremsausfall. Wer vor der Reise den Siedepunkt der Flüssigkeit prüft und im Zweifelsfall in neue Beläge investiert, ist auf der sicheren Seite.
Auch der Motor verdient Aufmerksamkeit, denn bei sommerlichen Temperaturen kann die Bergauffahrt den Motor thermisch an seine Grenzen bringen. Ohne den Kühlmittelstand und die Funktionsfähigkeit des Kühlerlüfters zu prüfen, sollte sich niemand auf den Weg machen. Auch das Motoröl sollte frisch und auf dem richtigen Stand sein, da es einen Teil der Kühlleistung übernimmt. Und dann kann selbst im Juni Schnee liegen, wenn man nur weit genug in die Höhe fährt. Auf über 2.000 Metern ist ein Reifen mit ausreichend Profil, also mindestens 4 mm, Pflicht, wenn man dem Schneematsch standhalten möchte. Spätestens nach der Abfahrt sollte auch der Reifendruck überprüft werden, denn die Höhe und Temperaturen können die Druckverhältnisse beeinflussen.
Nun führt eine Autoreise durch die Alpen auch unweigerlich über nationale Grenzen und obwohl das deutsche Autobahnnetz für PKW noch mautfrei ist, sieht das bei den Nachbarn anders aus. Besonders wer die schnelle Anreise über die Inntal- oder Brennerautobahn wählt, muss vorbereitet sein. Doch die Zeiten der langen Warteschlangen an Tankstellen in den Grenzgebieten sind vorbei, denn inzwischen bestellt man die digitale Vignette für Österreich bereits vorab. Statt dem ursprünglichen Klebestreifen an der Windschutzscheibe erhält man nun eine Bestätigung, die an das Kennzeichen geknüpft ist. Allerdings erheben viele Passstraßen wie die Silvretta Hochalpenstraße zusätzlich noch eine private Maut, die meist direkt vor Ort entrichtet wird.
Das Auto hält stand, die Vignette ist registriert. Der nächste Risikofaktor ist der Fahrer selbst. Schließlich ist das Fahren am Berg ein feines Zusammenspiel aus Vorausschau und Technik, das das Material unnötig belastet, wenn der Fahrer wenig Erfahrung hat und die falschen Entscheidungen trifft. Bergauf geht es darum, Leistung zu erzeugen, ohne zu erhitzen. Denn moderne Turbomotoren kommen mit der dünneren Luft in der Höhe zwar meist gut zurecht, aber Saugmotoren verlieren pro 1.000 Höhenmeter ungefähr 10 % ihrer Leistung. Die Lösung: Niedrige Gänge nutzen und vorausschauend schalten. Bergab gilt es hingegen, die Bremse zu entlasten. Das ständige Schleifenlassen führt zu Überhitzung. Stattdessen sollte man, wenn möglich, nur stoßweise bremsen und ansonsten die Motorbremse nutzen. Wer bergab im selben Gang fährt, den er auch bergauf nutzen würde, schont seine Scheiben und Beläge. Am Ende gilt: Wer sein Fahrzeug, die Route und sich selbst vorbereitet, erklimmt die Alpen entspannter.