Cookie Consent by Privacy Policies website DAV Unfallstatistik: 2020 so wenige Tote wie noch nie gemeldet
Alpinklettern
Alpinklettern © DAV / Wolfgang Ehn

DAV Bergunfallstatistik meldet so wenige Tote wie noch nie

19.08.2021
|

2020 wenige DAV-Mitglieder verunfallt

Der Deutsche Alpenverein dokumentiert jedes Jahr in seiner Bergunfallstatistik, wie sich die Unfälle und Notlagen beim Bergsport unter seinen Mitgliedern entwickeln. Die Ergebnisse aus dem Jahr 2020 melden so wenige Tote wie in den letzten 70 Jahren nicht, zudem gehen die Unfallzahlen bei allen Bergsportdisziplinen zurück - mit Ausnahme vom Klettersteiggehen und Mountainbiken.

Appelle der Alpenvereine wurden ernst genommen

Lukas Fritz von der DAV-Sicherheitsforschung interpretiert diese Entwicklungen so: "Die Regeln und Appelle im Zusammenhang mit der Pandemie haben das Verhalten der Bergsportszene beeinflusst. Es ist wahrscheinlich, dass viele Menschen die Appelle der Alpenvereine zur Zurückhaltung ernst genommen haben."

Die wichtigsten Aussagen kompakt


  • 28 Tote in 2020: Das ist die geringste Zahl in der der fast 70-jährigen Geschichte DAV-Bergunfallstatistik.
  • Die Zahl der Unfälle und Notfälle lag auf Vorjahresniveau.
  • Der langfristige Trend zu geringeren Unfallquoten setzt sich fort.
  • Die Unfallquoten bei Bergwandern, Alpinklettern, Sportklettern, Skitourengehen, Pisten- und Variantenskifahren sowie Hochtourengehen sind rückläufig.
  • Beim Klettersteiggehen und Mountainbiken steigt die Zahl der Notlagen - entgegen dem allgemeinen Trend.
  • Die häufigste Unfallursache beim Mountainbiken: Stürze ohne Fremdeinflüsse. Dabei sind die E-Bikes mit 12 Prozent unterrepräsentiert. Außerdem bemerkenswert: Seit Erhebungsbeginn sind keine Kollisionsunfälle zwischen Wander*innen und Mountainbiker*innen gemeldet worden.
  • Beim Großteil der Klettersteig-Notfälle (54 Prozent) handelt es sich um sogenannte Blockierungen. Auffallend ist die große Zahl an überforderten Kindern und Jugendlichen.

Das Unfallgeschehen 2020 im Überblick

So wenige Tote wie im Jahr 2020 gab es in der fast 70-jährigen Geschichte der DAV-Bergunfallstatistik noch nie. 28 DAV-Mitglieder kamen im Berichtszeitraum beim Bergsport ums Leben - und damit halb so viele wie im Jahr zuvor (einem Jahr mit ausgesprochen vielen Toten). Gleichzeitig liegt die Anzahl der Unfall- und Notfallmeldungen insgesamt auf Vorjahresniveau. Insofern liegt der Schluss nahe, dass die Bergsportler*innen mit mehr Zurückhaltung unterwegs waren als normalerweise. Das entspräche jedenfalls den Appellen, die die Alpenvereine aus Corona-Gründen an die Bergsportszene gerichtet haben.


Die sehr geringe Todesfallquote 2020 dürfte also eine auch durch die Pandemie beeinflusste Ausnahme darstellen. Den Trend zu immer geringerem Risiko beim Bergsport gibt es hingegen schon lange. Zum Vergleich: In der ersten DAV-Bergunfallstatistik waren 43 Tote zu beklagen - bei rund 110.000 Mitgliedern. Im Jahr 2017 (ein durchschnittliches Jahr in der jüngeren Zeit) waren es 41 Tote bei 1,24 Mio. Mitgliedern. Das Risiko für DAV-Mitglieder, beim Bergsport tödlich zu verunfallen, war vor fast 70 Jahren also etwa elfmal höher als heute. Zur Veranschaulichung des aktuellen Bergsportrisikos (auf Basis der Zahlen von 2018/19): Ein*e Bergsportler*in müsste rund 228 Jahre jeden Tag eine Wanderung unternehmen, bis sie statistisch gesehen erstmals eine Verletzung erleidet. Die Gründe für das mittlerweile geringe Bergsportrisiko sind vielfältig: Mehr Wissen und Können in der Bergsportszene, bessere Wetterberichte, bessere Ausrüstung und bessere Tourenplanung gehören sicherlich dazu.

Klettersteiggehen sollten Bergsportler nicht unterschätzen
Klettersteiggehen sollten Bergsportler nicht unterschätzen © DAV/Wolfgang Ehn

Mehr Unfälle und Notfälle an Klettersteigen und beim Mountainbiken

Ob Bergwandern, Alpinklettern, Sportklettern, Skitourengehen, Pisten- und Variantenskifahren oder Hochtourengehen - bei den meisten Bergsportdisziplinen ging die Anzahl der gemeldeten Unfälle und Notfälle zurück. Nicht so beim Klettersteiggehen und Mountainbiken: Bei Erstgenanntem gab es im Berichtszeitraum 69 Meldungen mit drei tödlichen Ausgängen, während es ein Jahr zuvor 33 Meldungen und zwei Tote waren. Beim Mountainbiken wurden 2020 insgesamt 65 Vorfälle mit einem tödlichen Ausgang gemeldet, während es ein Jahr zuvor 38 Meldungen mit ebenfalls einem Todesfall waren.


An Klettersteigen waren die Unfälle und Notfälle in den Jahren zuvor konstant rückläufig. Ob die aktuellen Zahlen eine Trendumkehr einläuten, ist allerdings ungewiss. Sicher ist hingegen, welche Ursache hinter den Unfällen und Notfällen steckt: Überforderung. Dem entspricht, dass die Mehrzahl der Vorfälle aus sehr schwierigen Klettersteigen gemeldet werden und dabei Blockierungen ("Ich komme nicht mehr vor und zurück!") doppelt so häufig (54%) vorliegen wie Stürze (24%). Klettersteige werden also womöglich unterschätzt. Dafür spricht auch, dass vermehrt überforderte Kinder und Jugendliche aus Klettersteigen gerettet werden müssen.


Beim Mountainbiken sind zwei Dinge sehr bemerkenswert. Erstens ist der Anteil der Unfälle und Notfälle mit E-Bikes mit 12% überraschend gering. Es sind vor allem die Bikeparks, aus denen vermehrt Vorfälle gemeldet werden - und nicht die Trails. Zweitens hat es keine Kollisionen zwischen Wandernden und Mountainbiker*innen gegeben - übrigens nicht nur in 2020 nicht, sondern in 20 Jahren nicht. Falls es also hier und da Konflikte zwischen diesen Fraktionen geben mag: Unfälle spielen dabei keine Rolle.

Hintergrund

Der Deutsche Alpenverein veröffentlicht seit 1952 eine Bergunfallstatistik. Der aktuelle Berichtszeitraum reicht vom 1. November 2019 bis zum 31. Oktober 2020 und umfasst je eine komplette Winter- und Sommersaison in den Bergen. Datengrundlage sind ausschließlich Meldungen zu Unfällen von DAV-Mitgliedern weltweit. Daraus ergibt sich die besondere Bedeutung der DAV-Unfallstatistik: Indem die Grundgesamtheit (=Mitglieder) bekannt ist und aus Umfragen im Mitgliedermagazin "Panorama" die Expositionszeiten in den Bergsportdisziplinen zu errechnen ist, kann das individuelle Bergsportrisiko und dessen Entwicklung über einen langen Zeitraum ermittelt werden.

Hochtourengehen am Nesthorn
Hochtourengehen am Nesthorn © DAV/Silvan Metz

Mehr Artikel aus den Ferienregionen

Artikelvorschaubild
Für Volksmusikfans: Das Hooo-Ruck-Fest 2026

21.09.2026

In der ErlebnisSennerei Zillertal wird vom 01. bis 04. Oktober 2026 das Hooo-Ruck-Fest zum Almabtrieb in Mayrhofen gefeiert.

01.10. - 04.10.2026
Mayrhofen

#Aus den Ferienregionen #Events #Konzerte

Artikelvorschaubild
Klassikwelt-Bodensee Messe

21.09.2026

Vom 4. bis 6. Juni 2027 kann man wieder Oldtimer am Bodensee bewundern.

04.06. - 06.06.2027
Bodensee

#Aus den Ferienregionen #Events

Artikelvorschaubild
Städtereisen in der Schweiz

16.09.2026

Für Abwechlsung während des Bergurlaubs in den Schweizer Alpen sorgt ein Abstecher in eine der schönen Städte des Landes.

#Aus den Ferienregionen #Tipps

Artikelvorschaubild
Städtereisen in Österreich

15.09.2026

Wir stellen unsere Tipps für eine Städtereise vor, präsentieren die Sehenswürdigkeiten, die man bei einem Besuch auf keinen Fall verpassen sollte und machen Lust auf Stadtluft.

#Aus den Ferienregionen #Tipps

Empfohlen

Artikelvorschaubild
Die schönsten Städtereisen im Süden Deutschlands

14.09.2026

Genug vom Wandern, Mountainbiken und Trekking? Beim Sommerurlaub in Süddeutschland gibt es einige tolle Ziele für einen Städtetrip. Wir stellen sie vor.

#Aus den Ferienregionen #Empfehlungen #Tipps

Artikelvorschaubild
Oldtimer Traktoren WM

10.09.2026

Die große Oldtimer Traktoren WM findet im September 2026 in Bruck am Großglockner statt.

17.09. - 20.09.2026
Bruck

#Aus den Ferienregionen #Events

Artikelvorschaubild
Lecker: Die Almkäseolympiade in Galtür

08.09.2026

Am 26. September 2026 wird die Goldene Sennerharfe an den besten Almkäse vergeben.

26.09. - 26.09.2026
Galtür

#Aus den Ferienregionen #Events

Artikelvorschaubild
Das Südtiroler Speckfest 2026

08.09.2026

Das traditionelle Speckfest in Bruneck wird am 26. und 27. September 2026 stattfinden ...

26.09. - 27.09.2026
Kronplatz

#Aus den Ferienregionen #Events

Artikelvorschaubild
50 Jahre Bergrettungsdienst Ridnaun / Ratschings

07.09.2026

Der Bergrettungsdienst feiert am 12. September 2026 sein 50-jähriges Bestehen ...

12.09.2026
Ratschings-Jaufen

#Aus den Ferienregionen #Events

Artikelvorschaubild
20 Jahre Freizeit in Tirol - Das Ticket

02.09.2026

Seit 20 Jahren bietet das Freizeitticket Tirol ein breites Angebot als größte Verbundkarte Österreichs.

#Aus den Ferienregionen #News

Mehr Artikel laden

Alpine Wellness für Körper und Geist - Urlaub, der bleibt! Jetzt Angebote entdecken!