Der Ultner Höfelauf gehört zu den bekanntesten Volksläufen in Südtirol und findet jedes Jahr im Ultental westlich von Meran statt. Die Veranstaltung orientiert sich am Ultner Höfeweg, einem historischen Verbindungsweg entlang alter Bergbauernhöfe, der zu den kulturgeschichtlich interessantesten Wanderwegen des Tales zählt.
Start- und Zielbereich liegen in Kuppelwies auf rund 1.145 Metern Höhe. Die klassische Laufstrecke führt über etwa 18 Kilometer nach St. Gertraud und auf der gegenüberliegenden Talseite zurück. Dabei werden knapp 500 Höhenmeter überwunden. Gelaufen wird auf einer Mischung aus Asphaltabschnitten, Forstwegen und schmalen Wanderwegen. Der höchste Punkt der Strecke liegt bei rund 1.467 Metern.
Neben der klassischen Distanz gibt es einen Volkslauf über rund 8,5 Kilometer. Diese Route verläuft von Kuppelwies nach St. Nikolaus und zurück und weist mit etwa 127 bis 190 Höhenmetern deutlich geringere Anforderungen auf. Ergänzt wird das Programm durch Kinderläufe, eine Staffelwertung sowie die Kategorie „Guat Gongen“, die sich an Wanderer und Nordic Walker richtet.
Neu zum 20-jährigen Jubiläum ist die Staffel für Zweier-Teams. Der erste Läufer umrundet den Zoggler Stausee, dann übergibt er den Staffelstab an den Teampartner. Der zweite Teil der Strecke führt weiter nach St. Nikolaus und zurück ins Ziel.
Der eigentliche Reiz des Höfelaufs liegt weniger im sportlichen Anspruch als in der Streckenführung. Der Weg verläuft an zahlreichen historischen Ultner Höfen vorbei, deren traditionelle Holzbauweise mit Schindeldächern vielerorts noch erhalten ist. Typisch für das Tal sind außerdem die hölzernen Weidezäune, Trockensteinmauern und die verstreut liegenden Einzelhöfe, die das Landschaftsbild prägen.
Besonders markant ist der Abschnitt bei St. Gertraud mit den Ultner Urlärchen, die zu den ältesten Nadelbäumen Europas zählen. Dadurch unterscheidet sich die Veranstaltung deutlich von vielen klassischen Straßen- oder Bergläufen in den Alpen.
Der Lauf wurde 2004 erstmals ausgetragen und entwickelte sich rasch zu einer festen Größe im Südtiroler Laufkalender. Bereits wenige Jahre nach der Premiere lagen die Teilnehmerzahlen bei über 400 Läufern. Heute gilt der Höfelauf als größte Sportveranstaltung des Ultentals und zieht neben Einheimischen auch zahlreiche Gäste aus Norditalien, Österreich und Deutschland an.
Für Besucher ist die Veranstaltung vor allem deshalb interessant, weil sie einen guten Einblick in die Kulturlandschaft des Ultentals bietet. Anders als bei vielen alpinen Bergläufen stehen hier keine extremen Anstiege oder technische Passagen im Vordergrund. Die Strecke führt durch eine über Jahrhunderte gewachsene bäuerliche Landschaft und verbindet sportliche Aktivität mit regionaler Kulturgeschichte.
Wer den Lauf nicht selbst bestreiten möchte, kann zahlreiche Abschnitte entlang des Höfewegs als Zuschauer oder Wanderer erleben. Besonders die Bereiche rund um St. Nikolaus und St. Gertraud bieten gute Einblicke in die traditionelle Siedlungsstruktur des Ultentals und vermitteln ein authentisches Bild der Region.