Endlich Urlaub, endlich raus in die Berge: frische Luft, beeindruckende Natur und Zeit zum Durchatmen. Gerade für Allergiker gelten die Alpen oft als echter Geheimtipp. Doch wie viel ist wirklich dran am „allergiefreien“ Bergurlaub?
Die kurze Antwort: Die Bedingungen sind oft besser aber ganz ohne Beschwerden geht es selten. Mit der richtigen Vorbereitung kannst du deinen Aufenthalt jedoch deutlich entspannter genießen. Hier findet ihr die besten Reisezeiten und was ihr bei eurer Planung noch beachten könnt, um auch mal von der Allergie Urlaub zu haben.
Je nach Allergie hat euer Urlaubsziel mehr oder weniger Einfluss auf eure Erholung. Wir unterscheiden nach drei Kategorien: Hausstauballergien, Pollenallergien, Lebensmittelallergien.
Das Gebirge ist ideal für Menschen mit Hausstauballergie. Ab einer Höhe von rund 1.500 m nimmt die Zahl der allergieauslösenden Milben ab. Allerdings ist es ein Mythos, dass Hausstaubmilben in der Höhe nicht überleben können. Viel wichtiger als die Höhe über dem Meeresspiegel oder das Raumklima ist für Hausstaubmilben das jeweilige Mikroklima – zum Beispiel in einer Matratze. Richtig ist zwar, dass im Winter im Gebirge durch die kalten Temperaturen viele Milben absterben, im Laufe des Frühlings und Sommers erholt sich aber in der Regel die Population.
Unser Tipp bei einer Hausstauballergie: In fast allen hochalpinen Regionen finden sich spezielle Allergiker-Hotels. In diesen Hotels sind Betten gegen Allergene klinisch behandelt, während die Matratzen und Kissen mit einer weichen, zertifizierten Anti-Staubmilben Ummantelung umschlossen sind und man in hypoallergenen Decken schläft. In Allergiker-Hotels werden alle Oberflächen mit einem speziellen Bio-Reiniger System gesäubert, das alle kleinen Partikel verschwinden lässt und desinfiziert.
Die Gefahr, mit Allergieauslösern in Kontakt zu geraten, ist bei einer Lebensmittelallergie umso größer, je mehr sich der Urlaubsort vom gewohnten Umfeld zu Hause unterscheidet. Vorsicht geboten ist beim Essen (vor allem unbekannte Zutaten – z.B. Öle, Früchte, Nüsse, aber auch Gewürzmischungen – machen Allergikern im Ausland das Leben schwer), bei der Ausstattung der Unterkunft oder durch andere Allergene am Urlaubsort (etwa aus Fauna und Flora).
Für Pollenallergiker eignen sich Hochgebirge als gute Urlaubsziele, denn dort ist die Luft überwiegend pollenfrei. Hier wachsen zwar auch Pflanzen, aber überwiegend Gräser, deren Samen kaum heimische Allergien auslösen. Eine Ausnahme ist die Erle: Bei ihrer Blüte im Mai sorgt diese Birkenverwandte für Beschwerden bei Menschen mit Birkenpollenallergie – eine der häufigsten Allergien überhaupt.
Meistens ist die Pollenbelastung in den höheren Lagen geringer als im Flachland oder deutschen Mittelgebirgen. Das liegt vor allem an drei Gründen:
Grundsätzlich gilt auch: je mehr sich das Klima zum heimischen unterscheidet, desto geringer ist das Risiko auf eine allergische Reaktion. Wir empfehlen dennoch die Gräser und Kräuter der gewünschten Alpenregion zur Urlaubszeit zu prüfen, um optimal vorbereitet zu sein. Gerade in der Hochsaison der Almwirtschaft kann es durch das frisch gemähte Heu zum Beispiel zu einer stärkeren Reaktion kommen als man erwartet.
Gut zu wissen: Besonders außerhalb der Hauptblühzeit nimmt die Pollenbelastung ab etwa 1.500 Metern höhe meist spürbar ab. Wer jedoch besonders empfindlich ist, sollte beachten, dass auch in den Höhenlagen Pollen durch die warme Luft nach oben transportiert werden. Eine Wanderung sollte man also egal bei welchem Reiseziel eher in den frühen Morgenstunden antreten, wenn die Belastung oft am geringsten ist.
Schöne Urlaubsorte in der Höhe sind zum Beispiel in Galtür, Obergurgl, Serfaus, Obertauern, St. Moritz, Alta Badia oder in den Dolomiten.
Außerdem gibt es sogenannte Klimainseln. Das sind Orte, die durch hohe Bergketten geschützt sind und so für Pollenallergiker optimale Erholung bieten. In dieser reizarmen Höhenluft im Alpenbereich kann man ungefähr ab Ende Juni mit Pollenfreiheit rechnen.
Allergien sind Reaktionen des Immunsystems auf größtenteils harmlose, eigentlich ungiftige Stoffe aus der Umwelt. Diese Substanzen werden als Allergene bezeichnet und treten in verschiedenster Form auf, zum Beispiel Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Nahrungsmittel, Insektengifte oder bestimmte Medikamente.
Wenn eine Person mit einer Allergie mit einem Allergen in Kontakt kommt, erkennt das Immunsystem dieses als fremd und startet eine Abwehrreaktion. Dabei werden spezifische Antikörper, hauptsächlich Immunglobulin E (IgE), produziert. Bei weiterem Kontakt mit dem Allergen binden die IgE-Antikörper an Mastzellen im Körper. Diese Mastzellen setzen dann entzündungsfördernde Substanzen, wie Histamin, frei, die zu den typischen allergischen Reaktionen führen.
Die Symptome einer Allergie können von milden bis hin zu schweren Reaktionen reichen. Typische Anzeichen sind Juckreiz, Hautausschlag, Rötung der Augen, laufende Nase, Niesen, Atembeschwerden, Schwellungen und in schweren Fällen Anaphylaxie, eine potenziell lebensbedrohliche Reaktion, die zu Atemnot, Blutdruckabfall und Schock führen kann.
Besonders für Pollenallergiker gilt: Wer seine Reise gut timt, kann Beschwerden deutlich reduzieren. Wir empfehlen bei einem Urlaub in höheren Lagen das Frühjahr (Mai/Juni) oder, da bereits viele Pflanzen verblüht sind, den Herbst/Spätsommer (September).
Vor Ort könnt ihr eure Aktivitäten außerdem nach dem Wetter planen: kurz nach einem Regenschauer ist die Luft oft pollenärmer und darüber hinaus auch die Wanderwege leerer.
Bei der Wahl der Unterkunft solltet ihr auf folgende Faktoren achten:
Viele Betriebe bieten mittlerweile spezielle Allergikerzimmer an, ein kurzer Check vor der Buchung lohnt sich oft schon. Wenn es solche Zimmer nicht gibt, kann auch die Stockwerkwahl schon helfen: Im oberen Stockwerk ist die Pollenbelastung oft reduziert.
Vor dem Urlaub sollten Allergiker auf alle Fälle den Arzt konsultieren und sich eine ausreichende Menge Medikamente verschreiben lassen. Medikamente und medizinisches Zubehör sollte nach Möglichkeit im Handgepäck verstaut werden, um stets griffbereit zu sein.
Vergewissert euch außerdem, dass medizinische Versorgung auch am Urlaubsort gewährleistet ist. Bei Reisen ins fremdsprachige Ausland sollte man sich einige wichtige Stichworte (etwa den Begriff Allergie sowie die Stoffe, die Reaktionen auslösen) in der jeweiligen Landessprache notieren, den Allergie-Pass auf Englisch abfassen lassen und stets bei sich tragen.
Die Alpen bieten für viele Allergiker spürbar bessere Bedingungen als das Flachland – ein Garant für völlige Beschwerdefreiheit sind sie jedoch nicht. Wer Reisezeit, Höhenlage und Unterkunft bewusst auswählt und ein paar einfache Regeln beachtet, kann die Bergwelt dennoch entspannt genießen. Und dann steht dem eigentlichen Ziel nichts mehr im Weg: Erholung in einer der schönsten Naturlandschaften Europas.