Auf den 225 Hütten des Deutschen Alpenvereins (DAV) sah der Sommer 2026 unterschiedlicher denn je aus. Viele sonnige Tage und hohe Nachfrage sorgten für eine gute Auslastung bei frühem Saisonstart. Demgegenüber standen Herausforderungen bei der Wasserversorgung durch die anhaltende Hitze.
Robert Kolbitsch, DAV-Ressortleiter Hütten und Wege:
„Die Sommersaison 2026 hat wegen des wenigen Schnees sehr früh begonnen, auch im Hochgebirge. Das warme und trockene Wetter hat den Alpenvereinshütten bereits im Frühsommer zahlreiche Gäste beschert. Zur Freude unserer Hüttengäste war die Tourenplanung wegen weniger Niederschläge in diesem Sommer entspannt. Das fehlende Nass wurde Ende Juli aber zum Leid mancher Hütte: Quellen wurden schwächer, Wasserspeicher gingen zur Neige und je nach Region mussten manche Wirtsleute mit extremem Wassermangel umgehen und Lösungen für den Hüttenbetrieb finden. Denn die Gäste zog es bei der Hitze auch weiter ins erfrischende Gebirge. Der Sommer 2026 wird uns in jedem Fall als Hitzesommer in Erinnerung bleiben und er hat uns neue Herausforderungen für die kommenden Sommer aufgezeigt“
Erste Auswertungen zeigen, dass etwa ein Drittel der DAV-Hütten mit Wassermangel zu tun hatten, sei es auch nur zeitweise. Sparmaßnahmen wurden umgesetzt, um den Betrieb aufrecht zu erhalten und in vielen Hütten herrscht Konsens, dass in größere Wasserspeicher, umfassendes Monitoring, klimaresiliente Infrastruktur und Wassersparmaßnahmen investiert werden muss. Zu erwähnen ist jedoch, dass die Hütten nicht überall die gleichen Schwierigkeiten hatten.
In den Zillertaler Alpen auf der Greizer Hütte musste zeitweise auf ein Notstromaggregat zurückgegriffen werden, da das Wasser hier gleichzeitig auch für die Stromerzeugung benötigt wird. Um zu vermeiden, dass wieder frühzeitig Wassermangel auf der Hütte herrscht, wollen die Wirtsleute in zusätzliche Wasserspeicher und Photovoltaik investieren.
Die Tegernseer Hütte konnte ihre knappen Wasserreserven über den Sommer strecken, da sie es mit vergleichsweise geringer Auslastung zu tun hatte. Die Hitze und ein Defekt der Materialseilbahn sorgten allerdings dafür, dass die Saison eine wirtschaftliche Herausforderung darstellte.
Auch im Riemannhaus in den Berchtesgadener Alpen wirkten sich die fehlenden Niederschläge aus: Der Wasserverbrauch wurde konsequent reduziert, mobile Toiletten eingeflogen und Waschräume eingeschränkt. Trotz des großen Verständnisses vieler Gäste sorgten die Sparmaßnahmen dafür, dass die Hütte eine Woche eher als üblich schließen musste.
Trotz des Wassermangels geht der DAV davon aus, dass die Zahl der Übernachtungen erneut rund 900.000 erreichen werden. Die genauen Zahlen werden jedoch erst im kommenden Jahr vorliegen. Die Sommer- und Herbstmonate führen bei vielen Hüttenbetreibern mit dem guten Wetter in einer sehr guten Saison und einer hohen Nachfrage. Natürlich gibt es dabei auch regionale Unterschiede, die im Laufe des Jahresendes herausgearbeitet werden.
Jährlich sind immer noch rund 20 Hütten von einem Bettwanzenbefall betroffen. Durch die hüttenweite Kampagne und verstärkte Transparenz und Präventionsmaßnahmen ließen sich aber bereits positive Wirkungen festhalten. Auf immer mehr Hütten kommen Schutz- und Vorsorgekonzepte zum Einsatz, sodass Gäste, Wirtsleute und Sektionen für das Thema sensibilisiert werden. Dadurch sind Verdachtsfälle schneller zu erkennen und die frühzeitige Bekämpfung verhindert eine Ausbreitung; zugleich steigt die Transparenz bei den Fallzahlen.
Vorreiter ist das Allgäu mit seinen BugBags. Die Packsäcke für die Rucksäcke sind großflächig gut angenommen worden und ergänzen die bestehenden Präventionsmaßnahmen wirkungsvoll. Im DAV-Onlineshop soll es ab der nächsten Saison auch wiederverwendbare BugBags geben.
Die Aktion „Freie Nacht fürs Klima“ hat sich als voller Erfolg erwiesen. Gemeinsam mit seinem Partner Globetrotter Ausrüstung hatte der Deutsche Alpenverein (DAV) seine Mitglieder zu einer klimafreundlichen Anreise ermuntert: Wer mit Bus oder Bahn zur Hütte kam, bekam bis zu zwei Übernachtungen auf einer Alpenvereinshütte geschenkt.
Die Resonanz kann sich sehen lassen: Fast 10.000 Gratisübernachtungen wurden eingelöst. Dafür sind die Teilnehmenden insgesamt rund 6,8 Millionen Kilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln gereist. Im Vergleich zur Anreise mit dem Auto sind dadurch etwa 815 Tonnen CO₂ eingespart worden, so viel, wie rund 800 Menschen in Deutschland in einem Jahr verursachen. Eine ausführliche Auswertung will der DAV in den nächsten Monaten veröffentlichen.
Die hochalpinen Hütten haben ihre Sommersaison längst abgeschlossen. Wer im Herbst noch einmal in die Berge möchte, hat aber weiterhin Auswahl: Die Tegernseer Hütte, das Taubensteinhaus und die Schönfeldhütte empfangen Gäste noch bis zum 7. November, das Kreuzeckhaus sogar bis zum 8. November. Das ganze Jahr über offen sind unter anderem die Albert-Link-Hütte und das Bodenschneidhaus in den Bayerischen Voralpen.