Digitale Angebote gehören mittlerweile fest zum Reisen dazu. Laut einer GfK-Studie zum Reiseverhalten nutzen 93 % der Reisenden digitale Angebote am Urlaubsort. Die meisten Ferienregionen in den Alpen haben deshalb längst eine eigene Gäste-App – die Qualität schwankt dabei aber.
Wir gehen der Frage nach: Was macht eine gute Gäste-App aus? Dafür haben wir uns im Laufe des Sommers mehrere Ferienregionen und ihre Apps angeschaut und möchten euch nun unsere drei Favoriten vorstellen, die besonders überzeugt haben. Zeitgleich zeigen wir euch, wo selbst gute Apps noch Luft nach oben haben.
Bei einer App im Urlaubsalltag zählt, dass sie wirklich weiterhilft – nicht, wie viele Funktionen sie theoretisch bietet. Ein Muster fällt dabei fast allen getesteten Apps auf: Kernfunktionen wie Tourenplanung, Skipass oder Buchung sind oft an ein Login gekoppelt. Wer im Urlaub die volle Funktionsvielfalt nutzen will, legt sich am besten gleich zu Beginn ein Konto an, statt erst spontan mittendrin danach zu suchen. Um zu testen wie alltagstauglich die Apps sind, wollten wir Folgendes wissen:
Wie das in der Praxis aussieht, zeigen wir an drei Apps, die uns im Test positiv aufgefallen sind – auch wenn keine von ihnen in jedem Punkt perfekt abschneidet.
Die App von Saalbach Hinterglemm zeigt genau das, was man in den Bergen am dringendsten braucht: Live-Wetter, Liftstatus und Webcams sind übersichtlich eingebunden und wirken zuverlässig aktuell gehalten. Zusätzlich findet ihr in der App von Saalbach Hinterglemm für den Sommer und den Winter interaktive Karten, die Lifte, Wanderungen, Hütten und Ausflugsziele abbilden. Damit die Karte nicht überladen wird, können einzelnen Punkte auch ausgeblendet werden. Ein großer Vorteil der Karte ist, dass sie auch offline funktioniert. Dafür muss sie einmal mit Internet geöffnet werden, sodass die Karte sich herunterlädt, dann kann es schon ins nächste Funkloch gehen.
Wer im Urlaub schnell wissen will, ob sich die Wanderung heute lohnt oder welcher Lift gerade läuft, ist hier also gut aufgehoben. Wer eine Wanderung plant, wird schnell fündig. In der Hauptnavigation findet ihr unter dem Menüpunkt “aktiv” direkt zu den Wanderungen und Biketouren.
Auch spontan verfügbare Unterkünfte lassen sich in der App finden, die Buchung selbst läuft dann über einen Link zur Anbieterseite; bei der Anfahrt verlinkt die App auf Google Maps, was praktischerweise bedeutet, dass euer Ausgangspunkt keine Rolle spielt.
Bei der Buchung von Tickets zeigt sich dagegen ein kleiner Bruch im System: Skipass, POIs und geführte Touren lassen sich zwar zum Kauf auswählen, für den eigentlichen Kaufabschluss ist aber eine zusätzliche Anmeldung nötig – unabhängig von der normalen Registrierung in der App. Bereits gekaufte Tickets lassen sich zudem per Barcode importieren – für einen Neukauf ohne Konto bleibt aber nur der Umweg über den Webshop auf der Webseite, ein direkter Link dorthin fehlt in der App.
Die FichtelApp der Region Fichtelgebirge holt mit 4,2 Sternen die beste Store-Bewertung im gesamten Test – und das zurecht. Besonders positiv fällt auf, wie die App mit Regentagen umgeht: Passende Schlechtwetterangebote werden direkt und prominent auf der Startseite angezeigt, statt sie wie bei vielen anderen Apps in Untermenüs zu verstecken. Genau das wünscht man sich in einer Regenpause. Allerdings wird das Schlechtwetterangebot nur so prominent platziert, wenn auch schlechtes Wetter herrscht. Scheint die Sonne, so könnt ihr euch auf Tipps dafür freuen.
Dazu kommt eine ausführliche, freundliche Einführung beim ersten Öffnen und ein Maskottchen, das der App eine persönliche Note gibt. Kleine Details wie dieses machen oft den Unterschied zwischen einer App, die man einmal öffnet, und einer, die man während des ganzen Urlaubs gerne nutzt.
Davon abgesehen finden wir schnell zur ersten Wanderung: Nur zwei Klicks braucht es. Live Wetterdaten und Webcams können direkt von der Startseite aufgerufen werden. Favoriten bzw. Bookmarks lassen sich ebenfalls setzen, und ein eigener Community-Tab macht es leichter, sich mit anderen Gästen zu vernetzen. Wie bei der “Home of Lässig” von Saalbach Hinterglemm, können Gäste in der FichtelApp spontan Unterkünfte finden, die über einen Link zur Anbieterseite gebucht werden können. Außerdem leitet die App für Busfahrpläne aktuell auf die Webseite der Region weiter.
Neben Busfahrplänen und klassischen Sehenswürdigkeiten bietet die App einen großen Datensatz an, bei dem ihr Apotheken, Tierärzte, Mobilitätsangebote oder Kliniken finden könnt. Für den Notfall ist man hier also gut gewappnet.
Etwas zurückhaltender ist die FichtelApp bei der Offline-Nutzung: Offline zeigt die App zwar bereits generierte Touren weiterhin an, der Großteil der übrigen Inhalte bleibt ohne Internetverbindung jedoch leer.
Serfaus-Fiss-Ladis erreicht mit 3,8 Sternen die zweitbeste Store-Bewertung in unserem Test. Die App punktet vor allem mit seiner interaktiven Karte, auf der ihr zu Ausflugszielen, Hütten- und Gastronomie, Skitouren, Wanderungen und Biketouren findet. Wie in der FichtelApp können Nutzer hier außerdem Apotheken, Kliniken, Haltestellen, Tierarztpraxen und Events finden.
Ein nettes Detail am Rande: Die Notrufkontakte sind prominent platziert und lassen sich direkt aus der App anrufen.
Bis zur ersten Wanderung geht es über eine Zwischenebene mit Untergliederung nach regulärer Wanderung und Themenweg – ein kleiner Zwischenschritt, der sich aber übersichtlich anfühlt. Ausgangspunkt zu den Wanderungen ist die interaktive Karte der App.
Sowohl Live-Wetter als auch Liftstatus sind zuverlässig und übersichtlich direkt auf der Startseite eingebunden. Bei der Buchung zeigt sich die App von ihrer stärksten Seite: Veranstaltungen und Gutscheine lassen sich direkt in der App buchen, die Skipass-Integration gilt allerdings nur für die Wintersaison. Auch Favoriten sind gut gelöst: Wege, POIs und Skitouren lassen sich zur Favoritenliste hinzufügen. Die Favoriten könnt ihr im Anschluss prominent platziert von der Karte aus aufrufen. Offline ist die App aktuell allerdings nicht funktionsfähig – ohne Internetverbindung kommt ihr hier also nicht weiter.
Auch wenn wir uns hier auf drei Beispiele konzentrieren: Ein paar andere Apps aus unserem Test verdienen eine ehrenvolle Erwähnung, weil sie bei einzelnen Kriterien besonders herausstechen.
Eine gute Gäste-App muss nicht alles können – aber das, was sie anbietet, sollte sie richtig gut machen. Ob Live-Infos wie bei Saalbach Hinterglemm, die durchdachte Schlechtwetter-Lösung der FichtelApp oder die starken Wanderkarten von Serfaus-Fiss-Ladis: Alle drei Beispiele zeigen, dass sich der Download lohnt, wenn eine App euch im Urlaubsalltag wirklich Zeit spart und Fragen beantwortet, bevor ihr sie überhaupt stellt.
Für Regionen, die noch an ihrer eigenen App arbeiten, können diese drei Beispiele eine gute Orientierung sein – für euch als Urlauber gilt: Schaut vor der Anreise kurz in den Store, ob die App eurer Zielregion mit einem dieser Punkte punktet. Wenn nicht, tut es meist auch die Webseite der Region.