Wenn im Herbst die Tage kürzer werden und die Wälder in warme Farben tauchen, beginnt eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele des Jahres: die Hirschbrunft. Dann hallt das tiefe Röhren der Rothirsche durch die Wälder, während die mächtigen Tiere um die Weibchen und ihre Stellung im Rudel kämpfen. Mit etwas Glück lässt sich dieses besondere Schauspiel in der freien Natur miterleben.
Doch wann ist die Hirschbrunft, wie lange dauert sie und wo kann man Hirsche röhren hören? Wir zeigen euch die wichtigsten Brunftgebiete in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol und verraten, wo ihr die Rothirsche besonders gut beobachten könnt und welche Führungen und Termine es 2026 gibt.
Übrigens: Die Deutsche Wildtier Stiftung hat den Rothirsch dieses Jahr zum Tier des Jahres 2026 gewählt.
Die Hirschbrunft ist die Paarungszeit der Rothirsche. In dieser Zeit lösen sich die erwachsenen Männchen aus ihren Rudeln und suchen die Rudel der Weibchen (das Kahlwild) auf. An den Brunftplätzen konkurrieren die Hirsche um die Weibchen und ihre Stellung innerhalb des Rudels. Dafür scharren sie im Boden und röhren.
Das Röhren ist ein Imponiergehabe, das vor allem Rivalen gilt: Es zeigt, wer der Hirsch ist und wo er steht. Es entsteht tief im Brustkorb und ist bei passendem Wind kilometerweit zu hören. Reicht das Röhren nicht aus, kommt es zu Kämpfen, bei denen die Geweihe so laut zusammenkrachen, dass man es hunderte Meter weit hört. Für die Tiere ist die Brunft ein Kraftakt, denn sie nehmen in dieser Zeit kaum Nahrung zu sich.
Die Brunft der Rothirsche beginnt in Mitteleuropa Anfang September. Je nach Region verschiebt sich das Zeitfenster:
Insgesamt dauert die Brunft vier bis sechs Wochen, in Thüringen höchstens drei. Die intensivste Phase ist allerdings deutlich kürzer. Zu Beginn der Brunft klingen die Rufe junger Hirsche noch dünner und zaghaft, während ältere Hirsche mit tiefem Röhren um die Weibchen konkurrieren. Üblicherweise ist die Brunft im Laufe des Oktobers abgeschlossen. Wer Anfang Oktober 2026 noch aufbrechen möchte, hat in vielen Regionen gute Chancen, die letzten intensiven Brunfttage zu erleben. Danach lässt die Aktivität zunehmend nach.
Besonders häufig ist das Röhren abends, nachts und am frühen Morgen zu hören. In ruhigen Revieren sind die Hirsche allerdings auch tagsüber aktiv.
Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft lassen sich Rothirsche besonders zur Brunft auch tagsüber an der Buchhorster Maase mitten im Darßwald, auf den Dünen und im Flachwasser vor der Küste beobachten. Der Förderverein des Nationalparks bietet Führungen an.
Anreise: Eine Rangertour zum Darßer Ort beginnt mit einer Fahrt der Darßbahn von Zingst nach Prerow und führt dann 7 km durch den Wald. Bleib auf den Wegen: Im September und Oktober sind einige Wege gesperrt, damit das Rotwild eine große Ruhezone hat.
Termine 2026: Führungen können beim Nationalpark oder Förderverein nachgefragt werden.
Der Duvenstedter Brook liegt direkt am Hamburger Stadtrand. Von September bis Oktober versammeln die Hirsche dort abends und nachts ihre Weibchen um sich. Beobachtungsstände befinden sich an Waldrändern und Brunftwiesen. Am Duvenstedter Triftweg kann es zur Hauptzeit voll werden, daher lohnt sich ein Besuch außerhalb der Stoßzeiten.
Anreise: mit der U1 bis Ohlstedt, dann Bus 276 bis Duvenstedter Triftweg und etwa 20 Minuten zu Fuß. Das BrookHus liegt am Duvenstedter Triftweg 140, dort gibt es auch einen Parkplatz. Hunde sind im gesamten Gebiet verboten, auch an der Leine.
Termine 2026: Der NABU Hamburg bot Führungen am 22. und 24. September an (vorbei). Ohne Führung könnt ihr das Gebiet frei besuchen.
Der Nationalpark Harz führt zum Hörplatz im Rotwildrevier am Sonnenberg bei Sankt Andreasberg. Die Führungen dauern rund drei Stunden. Der Weg ist anspruchsvoll, daher gehören Sitzkissen und eine Taschenlampe ins Gepäck.
Anreise: am besten mit dem Auto über die Bundesstraße B242 oder mit regionalen Bussen.
Termine 2026: bis 25.09. täglich um 18 Uhr (vorbei). Die Anmeldung läuft unter 05520 923039 oder hirschbrunft@npharz.de.
Im Wildwald Voßwinkel bei Arnsberg könnt ihr Rotwild aus vergleichsweise großer Nähe erleben. Die Brunft beginnt dort laut Wildwald ab dem 19. September. Dabei gelten besondere Regeln: Nachtwanderungen sind nicht erlaubt, die Tiere dürfen nicht angeleuchtet werden und der Wald muss spätestens bei Dunkelheit verlassen werden. Hunde dürfen nicht mit in den Wald.
Anreise: Der Wildwald liegt in Bellingsen 5 an der B7 zwischen Menden und Arnsberg-Neheim. Es gibt kostenlose Waldparkplätze.
Termine 2026: Führungen samstags, sonntags und am 03.10. um 17:30 Uhr, letztmalig am 18.10.2026. Kosten: 4 Euro für Erwachsene. Die Anmeldung erfolgt telefonisch unter 02932 97230 oder per E-Mail an info@wildwald.de.
Im Nationalpark Eifel ist die Rothirsch-Aussichtsempore Dreiborn auf der Dreiborner Hochfläche ein zentraler Beobachtungspunkt. Von dort bietet sich ein weiter Blick über das offene Land. An der Empore steht im September und Oktober eine mobile barrierefreie Toilette. Eine Bushaltestelle oder Gastronomie gibt es vor Ort nicht. Fernglas, Sitzkissen und warme Kleidung gehören deshalb ins Gepäck. Bei geführten Touren sind Hunde nicht erlaubt.
Anreise: Ausgangspunkt ist der Parkplatz Dreiborner Hochfläche in Schleiden-Dreiborn (Koordinaten 50°32'21.66" N, 6°23'43.02" E). Von dort führt ein Stichweg von etwa 1,5 km (einfach) zur Empore, die Steigung beträgt bis zu 9 Prozent. Der Parkplatz ist ausgeschildert, der Weg zur Empore nicht, achte also auf die Beschreibung der Nationalparkverwaltung.
Termine 2026: Sonderführung "Hirsche – Große Kämpfer oder sanfte Riesen?" am 04.10.2026 um 16:30 Uhr. Kosten: 10 Euro (ermäßigt 6 Euro), Anmeldung unter 02444 91574-0 oder info@nationalparkzentrum-eifel.de.
Bei Frauenwald am Rennsteig gibt es eine Beobachtungskanzel, von der aus sich die Brunft erleben lässt. Die Führungen des Fördervereins Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald dauern zwei bis drei Stunden und beginnen je nach Jahreszeit zwischen 14 und 18 Uhr. Teilnehmen können Kinder ab 10 Jahren. Die Kanzel liegt in einer Wildruhezone und ist nur im Rahmen einer Führung zugänglich.
Anreise: Mehrere Parkplätze stehen rund um den Thüringer Wald zur Verfügung. Besonders beliebt ist der Parkplatz am Hirschmonument in Frauenwald für die Hirschbeobachtung.
Termine 2026: täglich nach Anmeldung, telefonisch unter 036782 62947 oder im Informationszentrum in Frauenwald, Nordstraße 96
Im Naturpark Schönbuch gibt es mehrere Besucherkanzeln im Rotwildgatter. Sie bieten Platz für bis zu 30 Personen. Am Dickenberg wurde ein moderner Ersatz für die alte Beobachtungsstation errichtet. Die Kanzeln könnt ihr auch ohne Führung besuchen. Ein Fernglas gehört dabei unbedingt ins Gepäck.
Anreise: Vom Parkplatz Ranzenpuffer sind alle drei Beobachtungspunkte gut erreichbar.
Termine 2026: Die VHS-Radexkursion zum Dickenberg fand am 26.09. statt (vorbei).
In den Alpen lohnt es sich, bei der Suche nach der Hirschbrunft nicht nur auf ein bestimmtes Datum zu schauen. Je nach Region und Höhenlage kann sich der Beginn der Brunft verschieben. In vielen Gebieten sind die Hirsche bereits im September aktiv, während sich der Höhepunkt mancherorts bis in den Oktober hineinzieht.
Die Allgäuer Alpen sind ein Rotwildgebiet. Besonders der Oktober gilt als guter Zeitraum, um die Hirsche wieder röhren zu hören. Auch im September 2026 wurde bei Bad Hindelang bereits auffälliges Röhren gehört, das ein Wanderer zunächst für einen Bären hielt. In den Bergen lohnt es sich deshalb, mehrere Wochen im Blick zu behalten. Gerade durch die unterschiedlichen Höhenlagen kann sich die Brunft regional unterscheiden.
Anreise: Abhängig von Beobachtungsort
Termine 2026: Im Allgäu werden Führungen in der Regel von den Unterkünften selbst angeboten. Ihr könnt euch aber auch eigenständig auf die Suche machen. Achtet dabei unbedingt auf ausreichend Abstand zu den Tieren.
Der Nationalpark Hohe Tauern bietet im Salzburger Anteil die Herbsttour „Unterwegs zur Hirschbrunft“ an. Die Führungen dauern etwa zwei Stunden. Mit Gästekarte oder Nationalpark SommerCard sind die Touren meist kostenlos. Hunde sind nicht erlaubt.
Anreise: Nach Rauris kommt ihr mit dem Auto über Taxenbach oder mit der Buslinie 640 ab dem Bahnhof Taxenbach-Rauris, von der Haltestelle sind es nur wenige Minuten zu Fuß.
Termine 2026: nicht bestätigt. Auskunft gibt die Nationalparkverwaltung Salzburg (Tel. +43 6562 40849) oder die Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern (Tel. +43 6562 40939).
Im Trentino könnt ihr die Hirschbrunft bei besonderen geführten Erlebnissen beobachten.
Paneveggio – Pale di San Martino: Der Naturpark bietet eine Nachtwanderung mit Wildtierexperten und Wärmebildkamera an. Treffpunkt ist jeweils um 18 Uhr am Besucherzentrum in San Martino di Castrozza, Via Laghetto 27. Für die kurze Weiterfahrt wird ein eigenes Auto benötigt. Stirnlampe und warme Kleidung sind Pflicht. Die Buchung erfolgt über book.parcopan.org. Die Teilnahme kostet 15 Euro, Kinder von 7 bis 14 Jahren zahlen 10 Euro.
Nationalpark Stelvio (Trentiner Teil): Im Val di Peio und Val di Rabbi gibt es Abend- und Morgenexkursionen. Treffpunkte sind das Besucherzentrum in Cogolo di Peio, Tel. 0463 909773, und der Info-Punkt in Rabbi Fonti, Tel. 0463 909774. Die Buchung erfolgt über visitvaldisole.it.
Termine 2026: In Paneveggio finden Termine am Freitag, 2. Oktober, in San Martino und am Samstag, 3. Oktober, in Paneveggio statt. Im Stelvio stehen am Freitag, 2. Oktober, eine Tour im Val di Rabbi von 19:00 bis 23:30 Uhr, am Samstag, 3. Oktober, eine Tour im Val di Peio um 19:00 Uhr sowie am Sonntag, 4. Oktober, eine Tour im Val di Rabbi um 6:00 Uhr auf dem Programm. Ob die Brunft zu diesen Terminen noch aktiv ist, hängt unter anderem vom Wetter ab.
Die Brunft läuft im Schweizerischen Nationalpark von Mitte September bis etwa in die erste Oktoberwoche. Im Val Mingèr bietet Engadin Scuol eine geführte Exkursion mit einem einheimischen Guide an. Die Führung ist auf Deutsch, dauert etwa 6 Stunden und braucht mindestens 4 Teilnehmende. Es gibt einen Familienpreis für Eltern oder Großeltern mit mindestens zwei Kindern bis 12 Jahre.
Anreise: Treffpunkt ist um 8:15 Uhr an der PostAuto-Haltestelle Val Mingèr, du kannst also bequem mit dem Bus anreisen. Findet die Tour nicht statt, meldet sich die Gäste-Information Scuol am Mittwochabend bis 17:30 Uhr, der Ticketpreis wird dann zurückerstattet.
Termine 2026: Auskunft gibt Engadin Scuol (info@engadin.com, Tel. +41 81 861 88 00).
Im Ultental im Nationalpark Stilfserjoch gibt es eine besondere Möglichkeit, die Hirschbrunft früh am Morgen zu erleben. Eine Morgenwanderung mit Förstern führt zur Fiechtalm, wo anschließend ein Almfrühstück wartet. Veranstalter ist die Tourismusgenossenschaft Ultental/Proveis.
Anreise: Treffpunkt war die Bushaltestelle Pilshöfe um 6:00 Uhr (Ort: St. Gertraud). Laut Beschreibung gab es außerdem einen kostenlosen Wanderbus ab St. Pankraz (Abfahrt 5:00 Uhr am Tourismusbüro).
Termine 2026: 25. bis 30.09., jeweils 6:00 bis 11:00 Uhr (vorbei). Anmeldung ist bis zum Vortag im Tourismusbüro unter +39 0473 795387 nötig
Mit ein wenig Vorbereitung steigen die Chancen, das Röhren der Hirsche in Ruhe zu erleben:
Die Hirschbrunft ist für die Tiere eine anstrengende Zeit. Gleichzeitig reagieren Rothirsche sensibel auf Störungen. Damit sie ihre Brunft möglichst ungestört erleben können und auch ihr die schönen Tiere im nächsten Jahr wieder beobachten und belauschen könnt, solltet ihr einige Regeln beachten:
Wann beginnt die Hirschbrunft 2026?
In Mitteleuropa beginnt die Hirschbrunft meist Anfang September. Je nach Region und Höhenlage kann sie jedoch früher oder später einsetzen. In vielen Gebieten ist die Brunft bis Anfang Oktober noch deutlich zu hören.
Wie lange dauert die Hirschbrunft?
Die Brunft dauert insgesamt etwa vier bis sechs Wochen. In Thüringen ist sie mit höchstens drei Wochen kürzer. Die intensivste Phase nimmt dabei nur einen Teil dieses Zeitraums ein.
Wann kann man Hirsche am besten röhren hören?
Die besten Chancen habt ihr am Abend, in der Nacht und am frühen Morgen. In besonders ruhigen Revieren können Hirsche allerdings auch tagsüber röhren.
Wo kann man die Hirschbrunft beobachten?
Brunftgebiete gibt es unter anderem am Darß, im Duvenstedter Brook, im Harz, im Sauerland, in der Eifel, im Thüringer Wald und im Schönbuch. Auch in den Alpenregionen von Allgäu, Hohe Tauern, Trentino, Engadin und Südtirol könnt ihr die Hirschbrunft erleben.
Kann man die Hirschbrunft ohne Führung erleben?
Das hängt vom jeweiligen Gebiet ab. Im Duvenstedter Brook und im Schönbuch ist die Beobachtung beispielsweise auch ohne Führung möglich. Andere Beobachtungspunkte, etwa die Kanzel bei Frauenwald, können dagegen nur im Rahmen einer Führung besucht werden. Informiert euch deshalb vorab über die jeweiligen Regeln.